phantastische-demokraten.de - Der Blog
3. Jahrgang 2026 (Nr. 125)

Kommentare zu Politik, Gesellschaft und Kultur
Im Kampf für Demokratieerhalt und Frieden


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| 12.04.2026, Sonntag |
Foto E. Haerter
Heute im Bild der Blick, den wir bei unserem Sonntagsspaziergang vom historischen Göttinger Stadtwall hinunter geniessen konnten, liebe Leserinnen und Leser.

In Bildmitte, fast verborgen hinter Bäumen und blühenden Büschen die flachen Gerichtsgebäude, links dahinter, hellbraun das Finanzamt und rechts hinten, das weiss-graue Hochhaus, ist eine der Göttinger "Problemimmobilien", die bundesweit für Schlagzeilen gesorgt haben.

Dieses Gebäude, das immer noch IDUNA-Zentrum heisst, war einst in den 1970er Jahren einmal mit Geschäften, Restaurants, Praxen, Kanzleien und Schwimmbad im Haus, mit herrlichem Blick übers Leinetal (nach Westen) und in den Hainberg (nach Osten), dabei in Innenstadt- und Uni-Nähe gelegen, für eine bürgerlich urbane Klientel erbaut worden.

Indes wurde durch die Hereinnahme von ungeeigneten Bewohnern das Haus partiell zum sozialen Brennpunkt, wodurch das unschuldige Gebäude seine Schmähbezeichnug erhielt. Denn natürlich wagt man es nicht, den für den Niedergang verantwortlichen Bewohnern die passende Bezeichnung zukommen zu lassen, geschweige denn, ihnen zivili­siertes Wohnverhalten zur zwingenden Auflage zu machen.

Parallel dazu gibt es in Göttingen das immer noch wachsende Problem der Obdachlosen und leider auch die gewaltsamen Übergriffe auf diese Personengruppe. Diese Problematik, die es ja auch in anderen Städten überreichlich gibt, ist das Ergebnis einer perverierten Politik, die einfach andere Schwerpunkte setzt. Solange es noch den sozialistischen Ostblock gab, existierten Wohnungslosigkeit, Bettelei, Hunger und Verwahrlosung in den Städten der westlichen freien Welt praktisch nicht, bzw. nur am Rande.

Der Zusammenbruch war sozusagen die Öffnung der Schleusen für den Westen. Man musste nun nicht mehr so tun, als sei man im Kapitalismus sozialer oder wenigstens genau so sozial wie der Sozialismus. Die Fratze des Kapitalismus lässt immer mehr ihre Maske fallen. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich fand den damals "real existierenden Sozialismus" in seiner diktatorischen Verlogenheit widerwärtig. Aber so, wie es jetzt mit der deutschen Politik läuft, darf es nicht weitergehen.

Ich muss hier jetzt auch nicht im einzelnen aufzählen, was heutzutage in Deutschland alles marode und runtergekommen ist. Was nicht mehr läuft. Mangel als solcher ist der Normalfall. Bildung, Gesundheitswen, Infrastruktur, Wohnungslosigkeit, "Tafeln", Verwahrlosung, Verschnutzung des öffentlichen Raums, Elend, Bettelei, Gewalverbrechen. Das ist Deutschland im 21. Jahrhundert.

Wir etwas Älteren wissen ja noch, dass es in Deutschland auch anders ging. Als wir bis zur grossen Wende 1989/90 die "soziale Marktwirtschaft" hatten. Symbol war die dampfende Lokomotive Ludwig Erhard. Jetzt jubelt man, wenn die Rüstungs(!)-Industrie boomt. Geht's noch perverser?

Der letzte Bundeskanzler und global denkende Politiker war Helmut Schmidt. Er hat ganz ruhig und unaufgeregt gesagt, dass es für ein Land wie Deutschland wahnsinnig ist, jedes Jahr die Bevölkerungszahl einer Grossstadt von 500.000 Einwohnern ohne Auswahl ins Land zu lassen.

Er hat auch voraus­geschätzt, dass Europa, wenn es so wie bisher weitermacht, in 30 bis 40 Jahren ein bedeutungsloses Anhängsel der Weltpolitik sein wird, das für Mächte wie China mit 1,3 Mrd., Indien mit 1,4 Mrd. und Afrika mit 1,5 Mrd. Einwohnern kaum noch eine Rolle spielen wird. Er hat auch verschiedentlich davor gewarnt, zu viele Menschen ins Land zu lassen, deren religiös begründete Ideologie nicht mit unserem Grundgesetz kompatibel ist. (Ich berichte hier aus dem Gedächtnis, kann keine Quelle angeben).

Meine eigene Strategie ist ja hinlänglich bekannt: Der Rückzug ins Innere und Fluchtpunkte aufsuchen. (Und ich weiss auch, wie angreifbar diese Strategie ist).

Musik ist aber immer gut. Hier ein Stück aus der norwegischen Seele, die Morgenstimmung aus der Peer Gynt Suite von Edvard Grieg. (mit weiteren Stücken aus der Suite Nr.1). Es spielt das HR-Sinfonieorchester Frankfurt, dirigiert von Vassilis Christopoulos.

Und damit...

Bis zum nächsten Mal...

Eckart Dez. 2024
Eckart Haerter




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3. Jahrgang 2026 (Nr. 124)

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| 05.04.2026, Sonntag (Ostersonntag) |
Weidenkätzchen vorm Fenster. Foto E. Haerter
Heute im Bild die Weidenkätzchen vor unserem Fenster, liebe Leserinnen und Leser. Ich finde, auch wenn es sich jedes Jahr wiederholt, die Weidenkätzchen gehören zu Ostern wie der Tannenbaum zu Weihnachten. Und besonders, wenn uns die Natur schon so verwöhnt und die Zweige zum Fenster hereinstreckt, dass es fast so ist wie im Gedicht von Heinrich Heine:

Über mein Bett erhebt sich ein Baum
Drin singt die junge Nachtigall
Sie singt von lauter Liebe
Ich hör es sogar im Traum.


Das ist die richtige Einstimmung auf den Frühling, der ja nun wohl doch endlich angefangen hat nach den vielen kalten Monaten, die scheinbar kein Ende nehmen wollten.

Auf Ostern haben wir uns eingestimmt mit der Johannespassion, die in der Aufzeichnung einer grossartigen Aufführung aus der Thomaskirche in Leipzig vom MDR gesendet wurde. Hochrangige Solisten, der Thomanerchor unter seinem Leiter Andreas Reize und Musiker des Gewandhausorchesters. Höchstrangige Hochkultur von fast 3 Stunden Länge. Wer als Junge, Sopran und Alt 5., 6. Klasse, das mitsingen durfte, hat eine so prägende, nachhaltige und bereichernde Musikausbildung erhalten, von der er das ganze Leben lang zehren wird.

Wir Deutsche haben viele Jahrtausende länger gebraucht, als zum Beispiel die Ägypter, um unsere Hochkultur zu entwickeln. Was dann aber im Bereich der sogenannten klassischen Musik dabei herausgekommen ist, ist in ihrer unvergleichlichen seelischen Tiefe, Ausdruckskraft und Schönheit nirgendwo sonst in solchem Reichtum entstanden.

Und leider müssen wir am diesjährigen Osterfest auch daran denken, dass die Kriegführenden weitermachen. Richtig, dass Herr Merz dem eine Absage erteilt hat, so dass die Bundeswehr sich nicht daran beteiligen wird.

Krieg ist die falsche Politik. Wie bekannt, haben wir von der Denkwerkstatt phantastische-demokraten.de seit unserem Anfang 2016 jede deutsche Beteiligung an Kriegseinsätzen abgelehnt und ein Gegenmodell entworfen, dass in Kurzform unserer Seite Impressum beigefügt ist (im Kopf des Blogs auf Impressum klicken).

Gut auch, dass die Ostermarschierer, die es seit Jahrzehnten gibt, sich auch in diesem Jahr zu Ostern wieder auf den Weg gemacht haben und gegen den Krieg als Mittel der Politik demonstrieren. Je mehr Menschen sich gegen Krieg bekennen, desto besser.

Krieg ist die widerlichste, primitivste Art der Auseinandersetzung. Das grösste Problem ist, dass es immer noch führende Politiker gibt, die das anders sehen. Gegen solche wird man nicht umhin können, als ihnen ein Abschreckungs­potenzial entgegenzuhalten, wie das mit den Atomwaffen jahrzehntelang ganz gut funktioniert hat.

Israel ist ein besonderer Fall, weil das Land seit seinem Bestehen von einigen böswilligen Nachbarländern und Terrororganisationen existenziell bedroht wird. Dagegen muss es sich wehren dürfen und wehren können und sollte dabei trotzdem versuchen, die Gebote der Menschlichkeit nicht zu missachten.

Den Osterblog möchte ich aber nicht mit so trüben Gedanken beenden. Die liebe Freundin aus der Pfalz hat mir wieder eine Mail zugeschickt, die ich am Ostermontag 2012 an den damaligen Empfänger:innen-Kreis ("Klinkeburger") geschickt hatte. Diese Mail, auch nach 14 Jahren noch aktuell, gebe ich nachfolgend hier noch einmal zum Besten, sie ist kurz:

Ostermontags-Mail von 2012

Und damit...

Bis zum nächsten Mal...

Eckart Dez. 2024
Eckart Haerter




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3. Jahrgang 2026 (Nr. 123)

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| 29.03.2026, Sonntag |
Am Ufer des Rio de La Plata. Foto E. Haerter
Heute im Bild der Blick vom Ufer des Rio de La Plata vor Montevideo über die Weite des Flusses zum Horizont, liebe Leserinnen und Leser. Natürlich könnte das auch irgendein anderer Ort auf dem Erdball sein, am Meer gelegen mit einer ähnlichen Küste. Und dass es ein Fluss ist, ahnt man ja auch nicht, wenn man das Bild sieht. Aber ich finde, gerade die Unbestimmtheit trägt zur Wirkung des Bildes bei.

Angesichts der weltpolitischen Lage und beim maroden Zustand Deutschlands, wollte ich ein Bild, das nur beruhigend auf die Nerven wirkt und das den Blick wieder auf das Wichtige im Leben lenkt. Und wo ich es aufgenommen habe, habe ich ja verraten. Montevideo, magischer Ort des Tangos und unsere zweite (Tango-)­Heimat, wo wir so viele schöne Zeiten verbracht haben.

Es sind ja nicht nur die grässlichen, sinnlosen Kriege hier auf unserem alten Kontinent und nebenan im nahen Osten, sondern auch der erbärmliche Zustand unseres Heimatlandes. Eine Überschrift vor wenigen Tagen im Göttinger Tageblatt meldete eine Zunahme der Messer­attacken im Raum Göttingen. Ich erinnere mich, was der Syrer Prof. Dr. Bassam Tibi, emeritierter, ordentlicher Professor der Universität Göttingen damals schrieb, als Frau Dr. Merkel (mithilfe all ihrer Mitarbeiter aus allen Parteien) die Grenzen öffnete für alle, die rein wollten, gern auch ohne Papiere oder ohne eine glaubwürdige Identität angeben zu müssen: Professor Tibi schrieb: "Junge Männer, die die Kultur der Gewalt mitbringen". Zitat aus dem Kopf.

Professor Tibi sprach auch in einem Interview mit dem Göttinger Tageblatt vom 07.02.2017 davon, dass sich nur 5% der in Deutschland lebenden Muslime tatsächlich zur säkularen Demokratie, der Gleichwertigkeit der Religionen und zur Zivilgesellschaft bekennen würden. Und dass "fast alle islamischen Verbände in der Bundesrepublik eine Aufklärung im Sinne eines Bekenntnisses zum Vorrang der Vernunft ablehnten. Die Islamisierung des Landes werde voranschreiten."

Natürlich hat Professor Tibi Recht behalten. Von der Waffenverbotszone in Göttingen und vom Ruf des Muezzins vom Minarett der Moschee (eine vergleichsweise harmlose Sache) habe ich ja hier im Blog auch schon gesprochen.

Und: Es gibt sie ja wirklich, die Migranten aus islamischen Ländern, die dem Regime ihres Heimatlandes entfliehen wollten, um freiheitlich, selbstbestimmt, Mann und Frau gleichberechtigt, zu leben. Die sollen es hier bei uns natürlich gut haben und sicher leben können.

Schuld an dem jetzigen Zustand haben (aus sträflicher Naivität?) verantwortungs­vergessene Politiker und Politikerinnen, die Deutschland den anbrandenden Massen unbekannter Verfasstheit und mit zweifelhaften Absichten übergeben haben. Krankenhäuser schützen sich inzwischen mit immer mehr Security Personal.

Wir haben mit einem Bild als Seelen­balsam angefangen. Zum Schluss möchte ich noch ein bisschen von Musik erzählen. Gestern lief auf 3Sat ein Konzert aus Wien mit dem Tonkünstler- Orchester Niederösterreich, dem Konzertchor Interpunkt und 4 Solist:innen (Sopran, Mezzosopran, Tenor und Bass) unter der Leitung des jungen (unter 40) Dirigenten Andreas Ottensamer. Musiziert wurde das Requiem von Mozart. Es war einfach grandios, um das vorwegzu­nehmen.

Alle Instrumentalisten und Sänger absolute Spitzenklasse. Besonders der Chor, alle ausgebildete Sängerinnen und Sänger. Sowas von Klangschönheit und gestochen scharfer Artikulation bei den zum Teil höllisch schweren Stücken, das war faszinierend. Der Dirigent, der viele Jahre lang Solo- Klarinettist bei den Berliner Philharmonikern war, leitete das Ensemble mit unüberbietbarer Präzision, mit einer ungeheuer ausdrucksstarken, geradzu leidenschaftlichen Körpersprache. Ich habe selten ein so fulminantes Konzert erlebt, in dem sich bei allen Ausführenden überragende Spiel- und Gesangstechnik mit begeisternder Musizierlust verbanden. Das sah und hörte man. Absolute Weltspitze.

Mozarts Requiem hatte ich vorher noch nie in Gänze gehört, mir war nie nach Requiems zumute gewesen, und ich muss sagen, dass mich Mozart wieder einmal überrascht hat. Sein letztes Werk, dessen letzte Teile nach seinem Tod von zwei anderen Komponisten kongenial fertiggestellt wurden, hat mich in dieser Aufführung restlos begeistert. Was Besseres hätte Mozart nicht hinterlassen können.

Und damit...

Bis zum nächsten Mal...

Eckart Dez. 2024
Eckart Haerter




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3. Jahrgang 2026 (Nr. 122)

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| 22.03.2026, Sonntag |
SUB-Göttingen, Pauliner Kirche. Foto SUB Göttingen
Heute im Bild der Saal der Pauliner Kirche in Göttingen, liebe Leserinnen und Leser. Die Kirche ist seit Jahrhunderten säkularisiert und wird seit der Gründung der Universität Göttingen als Bibliotheks­gebäude genutzt. Heute ist sie ein Teil des Historischen Gebäudes der Nieder­sächsichen Staats- und Universitäts­bibliothek Göttingen. Der im Bild gezeigte Saal wird als repräsentativer Veranstaltungssaal genutzt. Bei aller norddeutschen Schlichtheit ein wunder­schöner historischer Ort.

Es gibt prachtvollere Bibliotheksgebäude auf der Welt, aber der Rang einer Bibliothek bemisst sich natürlich vor allem an ihren Buch-, Zeitschriften- und Medienbeständen, und darin war die Göttinger UB immer Spitze.

Nicht weit von Göttingen gibt es mit der Herzog-August- Bibliothek in Wolfenbüttel noch ein anderes Schmuckstück in der niedersächsischen Bibliotheks­landschaft, deren Leiter einst Gotthold Ephraim Lessing war. Zu den Mitarbeitern der Göttinger Uni-Bibliothek gehörten übrigens die Gebrüder Grimm, die nicht weit vom historischen Gebäude entfernt, in der heutigen Goetheallee gewohnt haben.

Denkmäler der Kulturgeschichte, und in dieser musealen Form werden die Bibliotheken ja auch für kommende Generationen erhalten bleiben und neben dem üblichen Aufsichts- und Sicherheits­personal ein paar studierte Bibliothekare benötigen, die ihre Schätze hegen und pflegen und sie in Ausstellungen sachkundig der Öffentlichkeit präsentieren können.

Doch Tempora mutantur..., die Zeiten ändern sich, so beginnt das bekannte lateinische Sprichwort. Als wir in der ersten Hälfte der 1960er Jahre damit begannen, die Bibliothekskataloge der SUB - beginnend mit den Zeitschriften - in maschinenlesbare Form zu übertragen, war das eine spannende Zeit, in der wir Mitarbeitende uns wie Pioniere beim Vorstoss in neues, unbekanntes Terrain fühlten, wobei die SUB Göttingen damals noch als eine der ganz vorderen an der Spitze dabei war. In dem legendären Kolloquium 1968 in Göttingen wurde als erstes Ergebnis der nach einem in Göttingen geschaffenen Regelwerk maschinell erzeugte aber noch auf Papier ausgedruckte Katalog der laufenden Zeitschriften der bibliothekari­schen Öffentlichkeit vorgestellt.

Wir müssen einen Gedankensprung machen. Bis zur online Katalogführung verging noch mehr als ein Jahrzehnt. Was heute ein Smartphone leistet, das jeder von uns in der Tasche hat, das schaffte damals ein Grosscomputer mit den Ausmassen mehrerer Kleiderschränke, an den die Mitarbeitenden mit Terminals angeschlossen waren, mit denen man damals ausser einer Einheitsschrift nichts anderes darstellen konnte. Und wer bei den Anfängen mit dabei war, dem wurde mit der Zeit auch klar, und es wurde auch immer öfter ausgesprochen und diskutiert, dass wir daran arbeiteten, uns am Ende selbst abzuschaffen.

Denn das Ende des jahrtausendealten Bibliothekswesens, später mit seinen riesigen über- und unterirdischen, quasi ständig aus den Nähten platzenden Bücherspeichern, den Magazinen, war dabei, ähnlich den Dinosauriern, an seiner eigenen grotesken Übergrösse zu verenden.

Inzwischen ist die Schwelle überschritten. Es ist abzusehen, dass in greifbarer Zukunft jedes auf Erden vorhandene Buch, jedes geistige Werk, ganz gleich in welcher Form erstellt, online verfügbar sein wird. Naturgemäss machen auch dabei die Zeitschriften wieder den Anfang. Es dürfte wohl keine relevante natur­wissenschaftliche oder medizinische Zeitschrift mehr geben, die nicht seit vielen Jahren vollständig als online Ausgabe erscheint.

Somit bräuchte man - technisch gesehen - zur Nutzung, zum Lesen von Billionen von Veröffentlichungen nur einen Laptop.

Keine Bibliotheksbauten mehr, keine Bibliothekare mehr, die in einer Hierarchie vom mittleren, gehobenen und höheren Dienst die Informationsvermittlung am Laufen halten. Keine Lesesäle mehr, in denen sich vom Studenten bis zum berühmten Wissenschaftler die Benutzer einfinden müssen (dabei unter Umständen lange Reisewege in Kauf nehmend), um die benötigte, nicht ausleihbare Lektüre studieren zu können. Keine Ausleihe mehr mit begrenzten Ausleihzeiten, die ein Buch zeitweilig der Nutzung durch andere entzieht.

Die Digitalisierung des Lebens macht es möglich, dass jederman/frau zu jeder Zeit, an jedem Ort, jede Veröffentlichung ohne zeitliche Begrenzung lesen kann.

Der Beruf der Bibliothekarin/des Bibliothekars ist dabei, auszusterben. Bis auf die oben genannten einzelnen "Reservate", etwa die berühmte Kloster- oder Schlossbibliothek und die grossen Bibliotheken mit kostbaren Beständen, die weiterhin ein gewisses Personal benötigen werden. So wie es ja auch den Droschkenkutscher noch gibt, der in Touristenhochburgen Rundfahrten in der Pferdekutsche anbietet. Es ist nie ganz aus. Sogar den Heizer auf der Dampflok gibt es noch in den Orten, wo eine museale Eisenbahnkultur gepflegt wird.

Es ist ganz natürlich, dass Menschen, die ihren Beruf mit Lust und Leidenschaft ausüben, nicht wahrhaben wollen, dass das, was sie zuvor mit grossem Engagement gelernt, studiert und praktiziert haben, plötzlich entbehrlich sein soll. Aber da greift wieder das lateinische Sprichwort in seiner Ganzheit: Tempora mutantur et nos mutamur in illis, die Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit ihnen. Das ist nichts Schlimmes, im Gegenteil, schlimm wäre es, wenn alles immer beim alten bliebe. Und solange man in einem Beruf benötigt wurde, solange war man auch wichtig.

Der Bibliothekarsberuf ist nur ein Beispiel. Irgendwie und irgendwann sind nahezu alle Berufe betroffen, egal wie hoch qualifiziert sie sind. Es gibt heute schon Geräte, die einen Hautkrebs zuverlässiger und früher erkennen können als jeder Hautarzt mit seinem Auflichtmikroskop.

Auch meine Tätigkeit als Übersetzer von Tangotexten ist weitestgehend überflüssig geworden. Die KI macht solche Übersetzungen inzwischen sehr ordentlich. Schwierigkeiten gibt es allenfalls noch bei sehr idiomatischen Wendungen oder speziellen Besonderheiten. Ich habe sogar einen KI-Übersetzungsdienst gefunden, der seine Zweifel bei verschiedenen Möglichkeiten erläuterte. Es ist kaum glaublich, wie viele Berufe bzw. Tätigkeiten möglicherweise sehr bald vollständig und besser von der KI übernommen werden können. Da kommt noch Unfassbares auf uns zu.

So verständlich es ist: Es lohnt sich nicht zu resignieren oder zu versuchen, sich den neuen Gegebenheiten zu widersetzen. Das Beste daraus zu machen, ist das Gebot der Stunde. Innerhalb des Göttinger SUB-Bibliothekssystems hat das die leitende Bibliothekarin der Bereichsbibliothek Medizin schon frühzeitig begriffen und aus der zuvor noch traditionellen Bibliothek ("Psssssst!!") im Uni-Klinikum mit Einfallsreichtum, Witz und im ständigen intensiven Kontakt mit den Benutzern eine moderne, mit neuem Leben erfüllte Arbeitsstätte zum Wohlfühlen geschaffen.

Für den Zugriff auf Bücher- und Zeitschrifteninhalte wird es irgendwann keine Bibliotheken mehr geben müssen. Woran es chronisch mangelt, sind Arbeitsräume für geistige Arbeit, die auch für die verbale Diskussion taugen, mit der entsprechenden Infrastruktur.

Was früher in einer Bibliothek als Sakrileg galt und streng verboten war, wie Essen, Trinken, Sprechen, ist in der Göttinger Medizinbibliothek (in angepasstem Masse) ausdrücklich erlaubt. Sogar zwei Laufbänder zur Gesunderhaltung nach langem Sitzen sind vorhanden. Für hochkonzentriert Arbeitende, die absolute Ruhe brauchen, gibt es eine extra Zone, die wegen der gebotenen Totenstille von den Studierenden scherzhaft "Todestrakt" genannt wird.

Das Göttinger Tageblatt hat am 12. März dieses Jahres einen wunderbaren Artikel über diese Bibliothek neuen Typs gebracht.

Die Zukunft hat längst begonnen. Am Ende bleibt nur das menschliche Individuum mit seiner Einmaligkeit und seiner Kreativität, um etwas Einzigartiges zu schaffen. Die zahllosen Möglichkeiten an Figuren im Tango Argentino könnten KI-generierte Avatare sicherlich perfekt darstellen und unterrichten.

Das Gegenbeispiel wären Ulrike und ich als Tango-Tanzpaar - improvisierend.

Aber ganz allgemein: Es wird immer enger...

Bis zum nächsten Mal...

Eckart Dez. 2024
Eckart Haerter




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3. Jahrgang 2026 (Nr. 121)

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| 15.03.2026, Sonntag |
Blüten im März. Foto E. Haerter
Nach den Klängen und Empfindungen aus Beethovens Pastorale, seiner 6. Sinfonie, stand uns bei der heutigen Sonntagswanderung noch nicht der Sinn, liebe Leserinnen und Leser. Dazu war es doch noch ein bisschen zu kalt, und es war auch noch kein grünes Blatt zu sehen. Aber in all dem blätterlosen Grau leuchteten an der Berliner Strasse doch Zierkirsche und Forsythie rosa und gelb hoffnungsfroh hervor und verhiessen baldigen Frühling.

Aber auch für Schumanns Frühlings­sinfonie war es noch zu früh. So haben wir gestern Abend erst einmal die 7. in E-Dur von Bruckner gehört. Und da wir zurzeit noch keinen Konzertsaal aufsuchen können, haben wir den Fernseher eingeschaltet. 3Sat brachte das Konzert aus Köln mit dem WDR-Sinfonieorchester unter der Leitung der noch nicht 40-jährigen und schon sehr renommierten französischen Dirigentin Marie Jacquot. Es war eine ganz hervorragende Aufführung, die wir mit Gewinn unter unsere Konzerterlebnisse einordnen können.

Und da wir gerade von klassischer Musik und Konzerterlebnissen sprechen: Eine liebe, langjährige Freundin schickte mir vor ein paar Tagen eine E-Mail - von mir selbst - die ich vor 15 Jahren einmal (im Rahmen eines "Newsletters", den ich (ich glaube 16 Jahre lang) jeden Montag an einen Empfängerkreis versandt habe, der sich "Klinkeburger" nannte. Ich selbst besitze keine einzige Kopie dieser Montags-Mails mehr, aber die Freundin scheint sie alle gesammelt zu haben.

In dieser Mail von 2011, deren Inhalt ich gar nicht mehr präsent hatte, schrieb ich auch über ein Konzert, allerdings über ein live im Konzertsaal erlebtes.
Hier der Text dieser Montagsmail von 2011:

Kennt Ihr das auch, liebe Klinkeburger, ein neuer Tag beginnt, und es liegt nichts vor einem, nichts als die übliche Banalität des Alltags? Dann wünscht man sich manchmal eine Art Urknall, der ja auch aus dem Nichts entstand. Es knallte, und alles wurde. Manchmal hilft dann ja auch schon ein Pot Kaffee. Oder auch ein Nosing glass voll Whisky. Single Malt, 27 Jahre gereift. Man schmeckt "den Rauch von Torffeuern über Hochlandmooren". Aber diese Lösung ist sicher weniger empfehlenswert. Abends ist es was anderes. Nie vor Sonnenuntergang! Ich entsinne mich an die Theke in der Royal Festival Hall an der Southbank [in London], schräg gegenüber der Westminster Bridge und Houses of Parliament - angestrahlt! Scotch aus dem Nosing glass, die Siphonflasche zum beliebigen Verdünnen auf dem Tresen und danach die 2. Sinfonie von Schumann mit dem LSO [London Symphony Orchestra] unter Solti. Da spürt man schon den Wahnsinn...

Aber sowas ist Luxuskompensation. Mir reicht auch schon ein Ausblick: in die Landschaft oder von oben auf eine Grossstadt- Strassenkreuzung oder aufs Meer. Am liebsten aufs Meer. Das halte ich sehr lange aus. Und wenn das nicht geht, Computer an. Auf meinem Hintergrundbild erscheint der Rio de La Plata vor Montevideo... Selbst photographiert!

Dabei fällt mir gleich ein neues Projekt ein. Das mit der Strassenkreuzung. Ich miete mich eine Woche lang in einer interessanten Stadt (Berlin käme z.B. in Frage) in einem Hotelzimmer ein, von dem aus ich einen Blick auf eine belebte Strassenkreuzung habe. Diese filme ich mehrere Stunden lang und unterlege später das ganze mit klassischer Musik. Ich glaube, das wird der Knüller bzw. Knaller. Und ist mit geringsten Finanzmitteln realisierbar. Jetzt muss ich nur noch verschiedene Länder bereisen, um die geeignete Stadt mit ihrer Kreuzung ausfindig zu machen...

Einstweilen wünsche ich Euch allen eine fantasievolle Woche, wo immer Ihr seid...

Der Eckart

(Die in eckige Klammern gesetzten Worte habe ich heute hinzugefügt.)

Diese Montagsmails waren von mir nicht als tiefschürfende geistige Ergüsse und auch nicht für die Langzeitarchivierung gedacht. Mehr so als kleiner Muntermacher für die neue Woche, also ganz harmlos. Manchmal ging es natürlich auch um Politisches, wenn die Lage und die öffentliche Debatte gerade danach waren.

Wie dem auch sei, irgendwann mehrten sich Feedbacks mit gehässigem Inhalt, mit dem Ziel, mich vor der Klinkeburger- Runde herabzusetzen. Da habe ich gedacht, das muss ich nicht haben auf meine alten Tage und habe den Newsletter dann alsbald eingestellt.

Damit sind wir wieder bei Bruckner, der sehr mit Ablehnung seiner Musik und Verächtlichmachung seiner Person durch Kritiker und andere Dumpfbacken zu tun hatte. Bruckner musste viele Reinfälle mit seinen Sinfonien wegstecken, bis mit seiner 7., uraufgeführt durchs Gewandhausorchester unter Arthur Nikisch in Leipzig, der grosse Durchbruch kam, während in Wien noch weiter gegen ihn gehetzt wurde. Der Kritiker Hanslick ist dadurch berühmt geworden. Bruckner ist heute unsterblich, den Kläffer Hanslick kennen nur noch Musikhistoriker.

Auf unserer Ebene als Tangotanzpaar haben wir, Ulrike und ich, ganz ähnliche Erfahrungen gemacht. Wir hatten viele begeisterte Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer, sind oft in Göttingen und in vielen deutschen Städten und im Ausland sehr erfolgreich aufgetreten. Wir haben dreimal als Showtanzpaar die Stadt Göttingen auf dem "Weltgipfel des Tangos" (Cumbre mundial del Tango) repräsentiert: in Lissabon, Sevilla und Montevideo. Und vieles mehr...

Trotzdem muss man damit leben, dass einen missgünstige, gehässige Zeitungskritiker und auch manche Kursteilenhmer versuchen, fertigzumachen oder zumindest zu demoralisieren.

Da hilft nur: unbeirrt weitermachen. Mit zunehmenden Erfolgen werden die Zeitungsschmierer und missgünstigen Tangolernenden unwichtig.

Zum Schluss muss ich aber betonen, dass uns das Göttinger Tageblatt in den etwa 30 Jahren unserer aktiven Zeit fast immer sehr fair und anständig behandelt hat. Es war nur ein bekannter Kritiker, der erkennbar selbst Bühnenambitionen hatte, der sich Tiefschläge gegen uns nicht verkneifen mochte.

Und damit...

Bis zum nächsten Mal...

Eckart Dez. 2024
Eckart Haerter




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| 07.03.2026, Samstag |
Persische Miniatur. Foto E. Haerter
Aus aktuellem Anlass stammt unser heutiges Titelbild aus der alten persischen Kultur, liebe Leserinnen und Leser.

Es ist die Nachbildung einer persischen Miniaturmalerei aus der Zeit zwischen etwa 1500 und 1750. Dargestellt ist eine Jagdszene, erkennbar an den flüchtenden Tieren. Mein Foto stammt von einem Gebrauchsgegenstand, einem Schreib­tisch­utensil, das ich von einem mir nahestenden Iraner als Geschenk erhielt.

Diese historischen Kunstwerke werden auch heute noch gern zu Dekorations­zwecken genutzt, wobei auch der Rahmen um die bildliche Darstellung herum von Bedeutung ist. Dabei handelt es sich um "eine traditionelle persische Form der Einlegearbeit, bei der winzige Stäbe aus Holz, Metall (Messing) und Knochen zu komplexen geometrischen Mustern zusammengesetzt werden."

Ich bin kein Experte für persische Kultur und habe mich deshalb über Google informiert. Im vorigen Absatz ist die in Anführungszeichen gesetzte Passage wörtlich übernommen.

Der Iran könnte ein hoch interessantes Reiseland sein mit beeindruckender Kunst, grossartigen Landschaften und wunderbaren Menschen. Leider ist das aufgrund des bekannten religiös- politischen, diktatorischen Herrschafts­systems nicht so. Dessen perfideste Ausprägung ist die drastisch eingeschränkte Gleichberechtigung der Frau in der Gesellschaft.

Zu all dem strebt der Iran aussenpolitisch seit langem den Besitz von Atomwaffen an und hat durch seine Machthaber mehrfach öffentlich erklärt, den Staat Israel vernichten zu wollen.

Aufgrund der innenpolitischen Zustände und der aussenpolitischen Zielsetzung muss man den "Gottesstaat" Iran wohl zu den unangenehmsten und gefährlichsten Staaten auf dem Globus zählen und auf Reisen möglichst grossräumig umfahren. Sehr schade...

Nun hat die politische Führung der USA in Kooperation mit Israel mit kriegerischen Massnahmen gegen den Iran begonnen mit dem Ziel der "bedingungslosen Kapitulation Irans". So sehr auch wir phantastische-demokraten.de wünschen, dass der Iran ein friedlicher, zivilisierter Staat werden möge, der im Innern wie im Äusseren die Menschen­rechte achtet, so sehr lehnen wir auch den Krieg als Mittel der Politik ab.

Es muss andere Lösungen geben als die, den Menschen des gegnerischen Landes Tod, Verwüstung und Leid zu bringen. Warum gelingt es nicht, die internationale Staatengemeinschaft dazu zu motivieren, gemeinsam den Krieg zu ächten und solche Regime, die das friedliche Zusammenleben global und in ihrem eigenen Land unmöglich machen, so radikal zu islolieren, dass sie sich zum Guten bekehren.

Man muss das scheinbar Naive, das vermeintlich Aussichtslose dennoch fordern. Das Ziel muss sich immer am Optimum orientieren, sonst tut sich gar nichts.

Im Augenblick läuft es so, dass über 100 Staaten im Zuschauerraum sitzen und 3 Akteure auf der Bühne das Programm gestalten und dabei schiessen, bomben, töten wie sie es für angebracht halten. Und wenn die Zuschauer-Länder nicht bereit sind, mithilfe der UNO radikal etwas zu ändern, dann kann man auch die Institution UNO komplett abschaffen. Das würde viel Geld sparen.

Vom erbärmlichen Zustand der EU will ich gar nicht erst anfangen, es ist nur noch traurig und peinlich. Es wäre die heiligste Pflicht der europäischen Politiker, mit aller Kraft für den Frieden als einzig zulässige Politikform zu arbeiten. Stattdessen wollen sie die Jugendlichen an die Front schicken, Buben und Mädels unter 19! Also, habt Ihr sie noch alle? Schluss mit dem unverantwortlichen, leichtfertigen Unsinn.

Bis zum nächsten Mal...

Eckart Dez. 2024
Eckart Haerter




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3. Jahrgang 2026 (Nr. 119)

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| 01.03.2026, Sonntag |
Leipzig, Gewandhaus und Panorama Tower. Foto E. Haerter
Heute am 1. März beginnt für uns einer der wichtigsten und schönsten Monate des Jahre, liebe Leserinnen und Leser, und das Titelbild signalisiert es schon. März und Leipzig gehören für uns zusammen, denn im März findet hier die traditionelle Leipziger Buchmesse statt.

Die Buchmessen im März (Leipzig) und im Oktober (Frankfurt am Main), haben eine uralte Tradition. Sie sind die Fortführung der Frühjahrs- und Herbst- Buchmessen, die es seit dem 16. Jahrhundert gibt.

Auch an der Frankfurter Buchmesse haben wir mehrmals teilgenommen. Höhepunkt war für uns das Jahr 2010, als Argentinien den 200. Jahrstag seiner Unabhängigkeit feierte und Ehrengastland auf der Frankfurter Buchmesse war. In diesem Rahmen wurde in einer spektakulären Veranstaltung mit hohen Beamten des argentinischen Kultur­ministeriums und Tango-Livemusik eine Sonderausgabe unserer Homero-Manzi-Übersetzungen der Öffentlichkeit präsentiert.

Allerdings haben wir viel öfter an der Leipziger Buchmesse teilgenommen: als Besucher, als Aussteller und als Akteure im Rahmen des Lese-Festivals Leipzig liest. Wobei wir letzteres immer umfunktioniert haben zu "Leipzig liest und tanzt". Denn mit unserer Show Das Literarische Tango Café haben wir von uns übersetzte Tangotexte auch tänzerisch interpretiert.

Im Zimmertheater Kosmopolitan (das es heute nicht mehr gibt), mit Sesseln und Sofas im Zuschauerraum, wurde das Literarische Tango Café zu einer unserer gelungensten Veranstaltungen ever, weil das Publikum voller Begeisterung hemmungslos mitging. Jeder der auftritt wird uns bestätigen, dass solche Auftritte, bei denen es zu einer Interaktion mit dem Publikum kommt, am besten gelingen und allen Beteiligten auch am meisten Spass machen.

Die Frankfurter Buchmesse ist viel grösser als die Leipziger, und sie wirkt auch offizieller, pompöser und unpersönlicher. Die Leipziger Buchmesse ist beschaulicher, fast ein bisschen familiär, und es gibt am Vorabend die wunderbare Eröffnungsveranstaltung für alle offiziellen Teilnehmer im Gewandhaus (Titelbild). In diesem herrlichen Konzert­haus spielt dann das weltberühmte Gewandhausorchester ein Konzert, woran sich in den Foyers, mit Aussicht auf den Augustusplatz, der Empfang der Stadt Leipzig für die Messeakteure anschliesst, mit Kanapees und sächsischem Wein bis zum Abwinken.

Leipzig im Frühling, das ist schon etwas Besonderes. Wir haben ihn erlebt, erfreut von bunten Frühlingsblumen, umfächelt vom lauen Wind und draussen im Sonnenschein sitzend bei Kuchen und Tee. Aber auch bibbernd im Schnee­griesel, von eisigen Ostwinden gepeitscht. Alles ist möglich.

Seit wir, gezwungen durch persönliche Umstände, nicht mehr als Tango-Tanz- und -Lehrerpaar arbeiten können, haben wir unsere Besuche in Leipzig vor allem wieder der klassischen Musik gewidmet. Auch Göttingen hat ein gutes Symphonieorchester und eine reiche Kulturszene, aber Leipzig hat auf diesem Gebiet den Vorzug, seit Jahrhunderten zu den Welthauptstädten der klassischen Musik zu gehören, mit einem der weltklasse Sinfonieorchester und all den wunderbaren Original­schauplätzen wie den Lebens- und Wirkungsstätten von Johann Sebastian Bach mit der Thomaskirche, der Wohnung von Robert und Clara Schumann und der von Felix Mendelssohn- Bartholdy und seiner Familie, die beide jetzt Museen sind und in denen regelmässig Konzerte stattfinden. Bei den Mendelssohns kann man auch wunderbar im Garten sitzen unter blühenden Kastanien...

Hinter dem Gewandhaus der Schillerpark mit dem bescheidenen Gedenkstein mit Proträtplakette von Robert Schumann.
Das gewaltige Mendelssohndenkmal steht an anderer Stelle der Stadt und Bach im Hof der Thomaskirche.

In diesem Blog spreche ich öfter davon, dass wir in einer Zeit von Chaos, Niedergang, Verfall, Gewalt und Kriegshetzerei dringend Zufluchtsorte für Körper, Geist und Seele brauchen.

In Leipzig gibt es solche, und am 19.3. beginnt die Buchmesse.

[Leider sind wir zur Zeit an die Heimat gebunden und können nicht reisen.]

Bis zum nächsten Mal...

Eckart Dez. 2024
Eckart Haerter




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3. Jahrgang 2026 (Nr. 118)

Kommentare zu Politik, Gesellschaft und Kultur
Im Kampf für Demokratieerhalt und Frieden


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| 26.02.2026, Donnerstag |
Foto Göttinger Tageblatt
Heute im Bild die 1. Seite des Göttinger Tageblatts vom Dienstag, liebe Leser­innen und Leser. Es geht um den Fortgang der gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland, hier am Beispiel Göttingens.

Nun hat also der Muezzin zum ersten Mal in der tausendjährigen Geschichte Göttingens über Lautsprecher zum Gebet gerufen.

Diesmal war es nur ein Test. Die muslimische Gemeinde ist feinfühlig und wollte die Göttinger nicht gleich überfordern. Alles geschieht natürlich in engem Kontakt mit der Oberbürgermeis­terin Frau Broistedt (SPD) und den zuständigen Stellen. Vorgesehen ist mittel- bis langfristig natürlich der regelmässige Muezzinruf, zunächst nur einmal im Monat. Original lässt der Muezzin ja fünfmal am Tag seine Stimme per Lautsprecher über der Stadt erschallen. Wir werden sehen, wie sich das in Göttingen entwickelt.

Da es die Moschee (Bild) schon seit 20 Jahren gibt, musste es eigentlich klar sein, dass irgendwann auch der Muezzin seine Pflicht tun würde. Eine selbstver­ständliche, vorhersehbare Entwicklung, wenn man Millionen Menschen dieses Glaubens ins Land kommen lässt beziehungsweise sie sogar mit Geld- und Sachgeschenken geradezu anlockt. Die freie Religionsaus­übung ist in der Demokratie gewährleistet.

Das einzige, was beim Ausbreiten des Islams Bedenken auslösen könnte, ist die Tatsache, dass es neben den vielen wunderbaren Menschen dieses Glaubens leider auch einzelne gibt, die nichts Gutes im Schilde führen und seit ihrem Hiersein eine Blutspur von Gewalttaten, Toten und Traumatisierten hinterlassen haben und weiterhin hinterlassen. Ja, es sind Einzelfälle, aber doch leider zu viele, die eine Atmosphäre der Feindseligkeit, Bedrohlichkeit und Angst im öffentlichen Raum verbreiten ("Waffenverbotszone in Göttingen" s. Blog Nr. 115).

Aber auch wenn es nicht so gewalttätig zuginge, ist es einfach so, dass die vielfach praktizierte Ausübung dieser Religion in Teilen nicht mit unserem Grundgesetz vereinbar ist. So wurde vor Jahren zum Beispiel darüber berichtet, dass in Moscheen (wohl nicht in allen) regelmässig Hasspredigten gegen das Gastland Deutschland und seine Bewohner gehalten werden. Diese Berichte hörten dann irgendwann, quasi wie auf Kommando, plötzlich auf und man hörte nichts mehr davon.

All das mutet eigenartig an wo doch gerade erst ein Gesetz gegen Politikerbeleidigungen sowie gegen Hass und Hetze in sozialen Medien erlassen wurde. Da war wohl die deutsche Klientel die Zielgruppe.

Auch der - mehr oder weniger strikt gehandhabte - Verhüllungszwang der Frauen ist nicht mit den deutschen Gesetzen vereinbar. Genausowenig wie die Unterordnung der Frau unter die Befehlsgewalt des Mannes oder Zwangs­verheiratungen und Genital­verstüm­melungen. Clans, organisiertes Verbrechen, Messer, Gewalt im öffentlichen Raum, in Schulen, in Verkehrsmitteln sind weitere Stichworte, auch wenn die meisten Medien immer noch fast panisch vermeiden, die Herkunft der Täter zu benennen.

Fakt ist doch, dass wir hier in Deutschland mit den unterschiedlichsten Religionen und Nationen friedlich zusammenleben ohne besondere Probleme. Nur leider scheint ein Teil der Zuwanderer aus islamischen Ländern andere Absichten zu hegen.

Wenn aber die Religionsausübung von zugewanderten Ausländern dauerhaft gegen unsere Gesetze verstösst, die die deutschen Bürger unter Strafan­drohung zu befolgen haben, dann entsteht im Staat eine gefährliche Schieflage mit Parallelgesellschaften, denen de facto Sonderrechte eingeräumt werden. Denn wie es bisher aussieht, drücken sich die Regierenden der Bundesrepublik Deutschland davor, die Einhaltung ihrer eigenen Gesetze von allen hier Lebenden in gleicher Weise einzufordern und durchzusetzen.

Das ist der einzige Grund, warum man die Ausbreitung des Islam mit gemisch­ten Gefühlen erlebt. Denn wenn es mit der Bevölkerungsentwicklung so weitergeht, und nichts spricht bisher dagegen, dann wird die Frage akut, wie lange unser Grundgesetz noch seine Gültigkeit bewahren kann.

Indes sollte man sich nicht aufregen. Auch die Umwidmung von Gotteshäusern vom einen zum anderen Glauben hat es in der Geschichte schon mehrfach gegeben. Jetzt geht es in Deutschland gerade in Richtung Islam, darin gibt's nix mit Grundgesetz...

Erinnern wir uns an dieser Stelle an den euphorischen Ausruf der Grünen-Politikerin Frau Göring-Eckardt angesichts der damals zu erwartenden - ungeregelten - Massenzuwanderung: "Deutschland wird sich drastisch verändern, und ich freue mich darauf!"

Ich selbst war auch immer ein Freund von multi-kulti, und Ulrike und ich waren lange aktiv in der multikulturellen Kulturarbeit tätig. Aber mit einer anderen Zielsetzung. Nicht um Deutschland zu destabilisieren.

Bis zum nächsten Mal...

Eckart Dez. 2024
Eckart Haerter




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3. Jahrgang 2026 (Nr. 117)

Kommentare zu Politik, Gesellschaft und Kultur
Im Kampf für Demokratieerhalt und Frieden


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| 22.02.2026, Sonntag |
Ausfahrt aus Buenos Aires. Foto E. Haerter
Heute im Bild der Blick zurück bei der Ausfahrt aus Buenos Aires, liebe Leserinnen und Leser. (Foto von mir)

Das Bild war mir wichtig, nachdem ich gelesen hatte, dass in Deutschland der Stand der medizinischen Entwicklung auf dem Gebiet der Behandlung von Herzkrankheiten weit hinter dem vergleichbarer europäischer Länder hinterherhinkt, und das zu weit höheren Kosten als sonst irgendwo in Europa. Ausgerechnet Deutschland, das vor 100 Jahren in der medizinischen Forschung ganz oben rangierte und Massstäbe gesetzt hat. Aber leider passt das ins deprimierende Bild, das Deutschland derzeit vor der Welt abgibt.

An dieser Stelle muss ich jedoch einflechten, dass vor Jahren meine schwere Herzerkrankung bei der Universitätsmedizin Göttingen wunderbar behandelt worden ist, so dass ich mich wieder einer stabilen Gesundheit erfreuen darf.

Gleichwohl musste ich nach dem bedauerlichen Bericht über den nicht mehr überall gleichwertigen Stand der deutschen Medizin die Gedanken erstmal dringend woanders hin lenken. Deshalb will ich heute kein Wort mehr über den gegenwärtigen Allgemeinzustand Deutschlands verlieren und über Politik schon gar nicht.

Jeder von uns hat doch seinen Lieblings- oder Sehnsuchtsort auf unserem Globus. Sei es das Urlaubsziel, wo man immer wieder gerne hinfährt oder eine Stadt, mit der man besonders schöne Erinerungen verbindet. Orte, an die man, auch wenn man nicht reisen kann, wenigstens in Gedanken zurückkehrt, um eine Zeitlang die heimischen Alltags­beschwer­nisse auszublenden.

Ganz allgemein empfiehlt es sich, solche Ausweichquartiere zu haben für all die Momente, in denen einem alles zum Hals raushängt. Dann sofort ein Bild vom Sehnsuchtsort im grossen Format auf den Bildschirm holen, und es wird gleich besser (wie beim heutigen Titelbild).

Aufgrund unserer langjährigen Tätigkeit als Tango-Tanz- und Lehrerpaar, sind auf ganz natürliche Weise, Buenos Aires und Montevideo gleichberechtigt zu unserer zweiten Heimat geworden. Die beiden Schwesterstädte und zeitgleich die Ursprungsstädte des Tangos, die sich am nördlichen und südlichen Ufer des Rio de La Plata schräg gegenüber liegen. Der Buquebus schafft die Fährverbindung zwischen beiden Hauptstädten in genau 3 Stunden. Der Flug dauert 30 Minuten.

Das Titelbild zeigt es: Es ist ein wehmütiger Abschied aus der wunderschönen, eleganten und riesigen Stadt Buenos Aires, wenn die Silhuette der Wolkenkratzer allmählich entschwindet und das Schiff die Wellen des Rio de La Plata durchpflügt, der aufgrund seiner Grösse wie das offene Meer erscheint, hin zum anderen Ufer. Nach Montevideo, auch eine Millionenstadt aber verglichen mit Buenos Aires nur ein Zehntel so gross und dabei auf geheimnisvolle Weise zauberhaft wie sein Name.

Lassen wir uns noch musikalisch einstimmen auf das Ambiente von Buenos Aires mit dem Lied: Yo soy Maria de Buenos Aires, dem Titellied der "Operita" mit dem gleichen Titel von dem argentinischen Komponisten Astor Piazzolla und dem Text des Uruguayers Horacio Ferrer.

Es singt die grosse italienische Sängerin Milva (1939-2021)

Das Lied haben wir oft auf unseren Milongas in der Göttinger MUSA gespielt, und es ist sehr gern danach getanzt worden.
[Vorspiel ohne Gesang bis 02:30].

Und damit...

Bis zum nächsten Mal...

Eckart Dez. 2024
Eckart Haerter




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3. Jahrgang 2026 (Nr. 116)

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| 15.02.2026, Sonntag |
Foto NDR Fernsehen
Höhepunkt des Karnevals, liebe Leserinnen und Leser! Jubel, Trubel, Heiterkeit und viele bunte Farben. Gottseidank in Göttingen nicht öffentlich. Aber wir wollten trotzdem zur Buntheit etwas beitragen mit unserem heutigen Titelbild, das in unserer aktiven Zeit als Tango-Argentino-Tanzpaar das NDR-Fernsehen aufgenommen hat. Auch wieder live wie die allermeisten unserer Fotos, ohne unser Wissen aufgenommen während der laufenden Sendung.

Und wie es der Zufall will, heute, nach vielen besonders dunklen Tagen, zeigt sich der Himmel bei strahlendem Sonnenschein und eisigem Ostwind in der Farbe, die bei Netscape skyblue heisst.

Ich liebe diese einprägsamen Farbnamen, mit denen man 216 (glaube ich) verschiedene Farben angeben kann. Wenn man nicht darauf angewiesen ist, die 16,7 Millionen möglichen Farbnuancen zu nutzen, reichen nach meiner Erfahrung die Netscape-Farben völlig aus. Es war einfach genial, die nötigsten Farbtöne mit Namen zu belegen, weil man die einfach leichter behält als die exakten RGB-Farbcodes. Ausserdem kann man sich bei den Namen sogleich etwas vorstellen. Ich tue mich beim Erstellen einer Website einfach leichter damit, aus dem Gedächtnis heraus skyblue zu schreiben, statt #87CEEB.

Vereinfachung kann auch sehr zur Harmonisierung beitragen. Wie in der abendländischen Musik, wo mit dem Dur-moll-System mit seiner enharmonischen Verwechslung (Beispiel: cis ist derselbe Ton wie des) die Vierteltöne eingeebnet wurden. Die dadurch entstehende Ungenauigkeit im Zusammenspiel, die das menschliche Ohr nicht wahrnimmt (Streicher spielen beide Töne automatisch nicht ganz gleich), wurde in Kauf genommen.

Mit diesem System wurden, von Bach bis Bruckner, die grössten, unsterblichen Musikkompositionen der Menschheit geschaffen.

Und vielleicht ist es Mozart, der als Komponist alle anderen überstrahlt. Wenn ich gezwungen wäre, zu entscheiden, wessen Musik ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde, wäre es wohl Beethoven, er steht mir am allernächsten, weil er mich ganz persönlich anspricht - sozusagen von Mensch zu Mensch.

Aber der unabhängigste, freiste von allen ist Mozart. Seine Musik will nichts und verlangt nichts. Sie ist einfach da - als solche. Ohne Philosophie, ohne seelische Konflikte, ohne religiöse oder sonstwelche Absichten. Seele in absoluter Reinheit.

"Schicksallos wie der schlafende Säugling atmen die Himmlischen, keusch bewahrt in bescheidener Knospe blühet ewig ihnen der Geist und die seligen Augen blicken in stiller, ewiger Klarheit..." (Höderlin).

Hier
Ein Beispiel von unzähligen

Bis zum nächsten Mal...

Eckart Dez. 2024
Eckart Haerter




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3. Jahrgang 2026 (Nr. 115)

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Im Kampf für Demokratieerhalt und Frieden


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| 08.02.2026, Sonntag |
Göttingen. Foto Göttinger Tageblatt
Das heutige Titelbild aus dem Göttinger Tageblatt, liebe Leserinnen und Leser, zeigt den scheinbar unaufhaltsamen Fortgang der Entwicklung in Deutschland. Einer Entwicklung, die von vielen (darunter mir) dystopisch vorausgesagt wurde, von anderen überschwenglich begrüsst und von wieder anderen (noch immer) schlicht geleugnet wird.

Aber das Schild, aufgenommen noch vor der inzwischen erfolgten Inkraftsetzung, ist nicht aus Jux und Tollerei aufgestellt worden, sondern aus beklagenswerter Notwendigkeit.

Ja, wir haben jetzt in Göttingen eine Waffenverbotszone. Ostwärts von der sogenannten Dönermeile in der Weender Strasse, mit dem Waageplatz direkt vor der Staatsanwaltschaft als Mittelpunkt, ist es jetzt in den Nachtstunden verboten, Pistolen, Messer, Schlagstöcke und ähnliche Waffen bei sich zu tragen. Unerklärlicherweise ist das dann ab 08,30 Uhr wieder erlaubt.

Waageplatz Göttingen. Foto E.Haerter
Der Waageplatz an der alten Mühle am Leinekanal, an der Stelle mit der malerischen Trauerweide, könnte eine wunderbare Erholungsinsel sein. Stattdessen wurde diese Gegend zunehmend von der üblichen Klientel zum sozialen Brennpunkt umfunktioniert. Menschen, denen ein funktionierendes, harmonisches Gemeinwesen offenbar ein Gräuel ist. Insofern ist Notwendigkeit der Waffenverbotszone zwar unsagbar traurig für Göttingen, aber eben doch zu begrüssen.

Es ist der erste zaghafte Versuch, den Niedergang der Stadt durch Gewalt, Verbrechen und Versiffung zu beenden und ein Signal, dass es eine deutsche Stadtverwaltung gibt, die in der Stadt das Sagen hat.

In Deutschland können wir nur froh sein, dass es noch nicht ganz so furchtbar zugeht wie in Schweden, denen mittlerweile ihr ehemals vorbildliches Gemeinwesen in Gewalt und Chaos um die Ohren fliegt. Dabei reichen bei uns die Gewalttaten gegen Rettungskräfte, Polizisten, Bahnschaffner, Busfahrer und Fahrgäste in öffentlichen Verkehrsmitteln doch weissgott schon aus, um das Grausen zu kriegen.

Aber solange noch hohe Repräsentanten des Staates Empörung heucheln über die ständig zunehmende Verrohung und Gewaltbereitscheft in unserer Gesellschaft, und die damit das deutsche Volk beleidigen, solange ist Schlimmstes zu erwarten. Wer so spricht, macht sich in Wahrheit mitschuldig und zum Komplizen derer, die das deutsche Volk geringschätzen und sein funktionierendes Gemeinwesen bewusst unterminieren.

Das kleine Dänemark macht seit kurzem klare Ansage: Wer kriminell ist, fliegt umgehend raus. In Deutschland sind wir noch nicht so weit. Wer hier so spricht wie die dänische Ministerpräsidentin, wird als AfD-nah stigmatisiert, und mit einem solchen spricht man doch gar nicht erst.

Nein, lustig ist das alles nicht. Es gibt schon zu viele Tote, Verletzte und Vergewaltigte, die letztlich die Politik zu verantworten hat.

Grotesk und erschreckend, dass der Göttinger Waageplatz, der eigentlich eine idyllische Erholungszone in der Innenstadt sein könnte, stattdessen zur Waffen­verbots­zone erklärt werden musste.
Mir tut es in der Seele weh, was aus Deutschland geworden ist. Wir haben fast 30 Jahre lang mit Ausländern Kulturarbeit geleistet. Als phantastische-demokraten.de haben wir schon 2016 ein Denkmodell veröffentlicht, wie man Füchtlinge international menschenwürdig behandeln und unterbringen könnte. Dafür bin ich (auch aus engsten Kreisen) sehr beschimpft worden.

Und es tut mir leid für die vielen Einwanderer, die bei uns tatsächlich auf eine andere Welt gehofft haben. Auf eine Welt des Friedens, der Freiheit, der Demokratie und Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Der Weg dahin ist länger geworden als er jemals war. Rückschritte auf allen Gebieten, ideell wie materiell, sind die international mit ungläubiger Verwun­derung beobachteten neuen Merkmale Deutschlands.

Wir müssen also weiterkämpfen, und wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben, obwohl die Zustände seit 2016 immer schlimmer geworden sind. Mir hängt es mittlerweile zum Halse heraus, dies immer wieder thematisieren zu müssen.

Gerade läuft im Hintergrund Smetanas Moldau, friedliche Naturidylle in Tönen. Ein Fluchtpunkt für die Seele.

Lassen wir's damit für heute genug sein.

Bis zum nächsten Mal...

Eckart Dez. 2024
Eckart Haerter




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3. Jahrgang 2026 (Nr. 114)

Kommentare zu Politik, Gesellschaft und Kultur
Im Kampf für Demokratieerhalt und Frieden


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| 02.02.2026, Montag |
Göttingen, Accouchierhaus. Hist. Stich gemeinfrei aus Wikipedia
Eine meiner Lieblingsecken in Göttingen, liebe Leserinnen und Leser. Besonders wenn die Nachrichten, die auf einen einstürmen, zu fürchterlich werden. Im Bild das Accouchierhaus, die erste universitäre Entbindungsklinik Deutschlands, an der Ecke Kurze Geismarstrasse/Hospitalstrasse in einem Stich aus dem 18.Jahrhundert.

Die Hausecke, die man am rechten Bildrand gerade noch sieht, ist später umgebaut worden. In der Ecke befindet sich heute der Eingang zur Filiale der Bäckerei Ruch mit Café. Hier kann man am Fenster sitzen und auf das Haus gegenüber schauen und sich in Gedanken in die herrliche Zeit zurück­versetzen, als Johannes Brahms hier ein und aus ging, wenn er seine Freundin Agathe von Siebold, die Tochter des damaligen Kliniksdirektors besuchte.
Hier das Haus im heutigen Zustand - wie neu erbaut (eigenes Foto). Musikwiss. Sem. Foto E. Haerter
Ja, ich gebe es zu, ich rede schon wieder von Fluchtpunkten, und die sind nötiger als je zuvor.

Der ausreisepflichtige, aber gleichwohl herumreisende Iraker, der im August in Friedland das 16-jährige Mädchen vor einen Zug gestossen hat, war ja kurz danach aufgrund psychischer Probleme für schuldunfähig erklärt worden. Nun berichtete das Göttinger Tageblatt, dass geprüft wird, ob man ihn nach Litauen abschieben kann, von wo er wohl nach Deutschland eingereist ist. Praktisch.

Nun vor wenigen Tagen wieder so ein Vorfall, in Hamburg in einer U-Bahnstation, wo ein diesmal Süd-Sudanese ein 18-jähriges Mädchen vor den Zug gerissen hat und dabei selbst mit getötet wurde. In diesem Fall war der Mann bereits polizeibekannt, hatte in einem Bordell randaliert, einen Polizeibeamten angegriffen und war dann schnell wieder auf freien Fuss gesetzt worden.

Abgesehen davon, dass das Mädchen noch leben könnte, masse ich mir selbstverständlich keine Aussage darüber an, ob man mit dieser Art Persönlichkeiten nicht doch anders verfahren sollte, als das bei uns gemeinhin geschieht. Denn für die Täter ist diese Behandlung doch ein Signal, welches besagt: Das ist alles nicht so schlimm, was du getan hast, denn sie lassen dich ja gleich wieder laufen. Aber das sind nur so Gedanken; man kann unter diesen Eindrücken das Hirn ja nicht ganz abschalten.

Dann las ich in der Berliner Zeitung (BZ) den Bericht über die Zustände in Schweden, die das einstige Musterland und eins der sichersten weltweit, seit etwa 15 Jahren zum gefährlichsten Land der EU gemacht haben. Die Bild-Zeitung (online) berichtet ausführlicher darüber.
[Zitat:]
Dass es so nicht weitergehen kann, ist deutlich. Immer mehr Schweden haben Angst um ihr Leben, denn nicht selten werden unschuldige Passanten Opfer sich bekriegender Banden. Ende August veröffentlichte das schwedische Innenministerium deshalb einen 34-Punkte-Plan, mit dem das Land die Bandenkriminalität in Zukunft bekämpfen will.

Kriminelle sollen schon bei geringstem Verdacht leichter abgehört werden können. Die Mindeststrafen werden erhöht, und das Strafmaß steigt bei Mehrfachtätern automatisch. Auch die Kameraüberwachung soll ausgedehnt, die Möglichkeit für Bewährungsstrafen eingeschränkt werden. Kronzeugen­gesetze und Zeugenschutzprogramme sollen erweitert werden. Außerdem soll die vorbeugende soziale Arbeit verstärkt werden – Streetworker werden nun auch nachts und am Wochenende in den gefährdeten Gebieten jederzeit und "sichtbar" unterwegs sein.

Alles in allem will man in Schweden in Zukunft strenger werden und vor allem genauer hinschauen. Ob es hilft, wird man erst in einigen Jahren sehen können.
[Zitat Ende]


All das gibt es ja bei uns auch schon, nur noch nicht so allumfassend wie in Schweden. Auch das einstige Vorzeigeland Holland ist sehr in Gefahr, umzukippen.

Bei uns ist es noch mehr die Kultur der Messerangriffe und das Auto, das absichtlich in Gruppen nichtsahnender Menschen gelenkt wird.

Jedenfalls scheint Schweden etwas tun zu wollen. Ob die Streetworker das schaffen können, ist die Frage. Was in Schweden und auch schon in Holland los ist, das ist ja nicht das Über-die-Stränge-Schlagen von übermütigen Jugendlichen, sondern offener Krieg, der sich immer mehr ausweitet. Wenn dem nicht mit aller Konsequenz Einhalt geboten wird, werden wir zum failed state wie einige der Herkunftsländer, aus denen viele Schutzsuchende zu uns kommen.

Deutschland ist mittlerweile innerlich und äusserlich so runtergekommen, dass ich mehrere DIN-A4-Seiten im Blog damit vollschreiben könnte. Das würde aber nichts nützen ohne Vorschläge, wie man es besser machen könnte. Zum Thema Friedenssicherung habe ich mich bereits geäussert. Demnächst nehme ich mir mal die Schulen vor.

Dass aber auch dezidiert etwas getan wird, zeigt das folgende kleine Bildchen, das für sich spricht. Es zeigt unmissver­ständlich, gegen wen die Obrigkeit tatsächlich vorzugehen gedenkt und dabei auch keine Mühen scheut.

Zentralstelle Hasskriminalität

Und damit...

...bis zum nächsten Mal...

Eckart Dez. 2024
Eckart Haerter




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3. Jahrgang 2026 (Nr. 113)

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| 26.01.2026, Montag |
Laterne im Schnee. Foto E. Haerter
Früher war's im Winter eine Selbstver­ständ­lichkeit, liebe Leserinnen und Leser, heutzutage ist es bemerkenswert: Es hat geschneit. Wie das in unserer Strasse aussieht, wollte ich euch nicht vorent­halten. Alles in weiss...
Aber bitte jetzt nicht annehmen, dass der städtische Reinigungsdienst die Strassen räumen würde. Weit gefehlt. Alles bleibt liegen. In der Pandektengasse wurde auf den Schnee, den Schneematsch und die angefrorenen Stellen einfach Granulat geworfen. Das ergibt eine schwarze, dreckige, mit Granulat vermischte Brühe, die man überall hinträgt.

Amüsant war kürzlich etwas anderes. Als beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos Staatschefs, Regierungschefs und Wirtschaftsbosse den Saal füllten und voll Spannung auf Ihn warteten. Und Er kam. Unser aller Präsident, und der plauderte, was ihm so in den Sinn kam. Anderthalb Stunden lang Small Talk, und die Welt hörte zu. Besser geht's nicht. Völlig entspannt, einmalig selbstsicher und von sich überzeugt, ob's stimmt oder nicht - egal. Es ist immer amüsant, oft auch faszinierend, zumindest aber unterhaltsam, was solche Typen zu sagen beziehungsweise zu erzählen haben.

Ich hatte einen ähnlich gearteten Sprachlehrer in London, eine aussergewöhnliche, schillernde Persönlichkeit, mit der dazugehörenden Portion angelsächsischer Verrücktheit: "I've written fourteen books and six symphonies..". Da spielt es dann keine Rolle mehr, ob's wahr ist oder nicht. Vielleicht wurden seine Werke ja auch nur nicht veröffentlicht. Wie auch immer, er war sehr gebildet und auf eine überwältigend sympathische Weise auch eingebildet, so dass man bei ihm viel profitieren konnte. Denn, wie man am Beispiel Donald Trumps sehen konnte, man hört solchen Mitmenschen gerne zu, schon weil sie immer eine Show bieten.

Dabei ist Donald Trump keineswegs nur ein Schwätzer. Ob er 8 oder 2 Kriege oder gar keinen Krieg beendet hat, ist letztlich egal, denn er hat, was den Frieden angeht, mehr unternommen, mehr geleistet und mehr erreicht als alle sich wichtig und bedeutend fühlenden Regierenden der übrigen Welt zusammen.

Zudem wird er von den Schurken der Welt als einziger ernstzunehmender Gegner respektiert. Gerade wegen (und nicht trotz) seiner scheinbar unberechenbaren und skrupellosen Art.

In Nigeria waren vor einiger Zeit (wieder einmal) mehrere hundert Schulmädchen von einer muslimischen kriminellen terroristischen Vereinigung entführt worden (wohl um sie als Sex-Sklavinnen zu missbrauchen). Als Donald Trump öffentlich darüber nachdachte, deswegen militärisch in Nigeria einzugreifen, waren kurze Zeit später die meisten der entführ­ten Mädchen wieder da.

Seit der Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro durch amerikanische Spezialkräfte, ducken sich auch spürbar die im Iran herrschenden Gottesmänner ab. Man weiss ja nie, wer als nächster dran ist.

Natürlich besteht bei Egomanen, besonders wenn sie eine Machtstellung bekleiden, die Gefahr, dass sie bei ihrem Tun das gebotene Mass verlieren. Trump agiert so, als könne er sich alles erlauben. Und bislang stimmte das ja auch. In dem Punkt ist die amerikanische Demokratie gefordert, um Auswüchse zu unterbinden. Ich hoffe, dass ihr das gelingt.

In Deutschland sollten wir - nein, müssen wir - vorrangig daran arbeiten, unsere in weiten Teilen entgleiste Demokratie wieder in die richtige Bahn zu bringen. Auf dem Gebiet wäre mehr als genug zu tun. Wahlausgänge müssen wieder respektiert, nicht ignoriert werden. Keine Gesprächsverweigerung mit gewählten Abgeordneten. Die freiwillig links-grün gleichgeschaltete Presse sowie insbesondere die öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehsender müssen wieder dazu gebracht werden, ihrer demokratischen Aufgabe als Kontrolleure der Regierenden gerecht zu werden. In dem Punkt hege ich eine leise Hoffnung, weil das geradezu skandalös manipulative, angemasst erzieherische Agieren der deutschen Medien ("Betreutes Denken") immer öfter von verschiedenen Seiten aus öffentlich diskutiert wird.

Wir phantastische-demokraten.de arbeiten wie seit vielen Jahren weiterhin mit daran.

In diesem Sinne...

...bis zum nächsten Mal...

Eckart Dez. 2024
Eckart Haerter




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3. Jahrgang 2026 (Nr. 112)

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| 18.01.2026, Sonntag |
Montevideo, Palacio Salvo. Foto E. Haerter
Mal ehrlich, liebe Leserinnen und Leser, auch wenn es ketzerisch klingt, ich fand den Klimawandel mit seinen milden Wintern sehr angenehm. Wenn es nach mir ginge, könnte es immer so bleiben.

Allerdings scheint in diesem Jahr eine Pause im Wandel eingetreten zu sein, denn heute ist es wieder sehr dunkel, die Temperatur pendelt um die 0 Grad und es bläst ein ekliger Eiswind.

Unter diesen Umständen musste ich erst einmal wieder visuell zu unserer Wahlheimat Montevideo zurückkehren und uns ein Bild vom Wahrzeichen der uruguayischen Hauptstadt auf den Bildschirm holen, den Palacio Salvo an der Plaza Independencia. Ich selbst war so richtig begierig darauf, wenigstens in Gedanken der hiesigen dunklen Kälte zu entfliehen mit einem Bild von dort unten, aufgenommen in der Weihnachtszeit im dortigen Sommer.

Schönste Erinnerungen an Wärme und an die Stunden, in denen wir auf einer Bank an den Grünanlagen sitzend, die Zeit bis zur nächsten Unternehmung verstreichen liessen. Wenige Meter entfernt von dem Ort, wo sich einst anstelle des Palacio Salvo das Café befand, in dem der berühmteste Tango der Welt, die Komposition La Cumparsita des Uruguayers Gerardo Matos Rodriguez, ihre Uraufführung erlebte.

La Cumparsita, hier gespielt von unserem 2024 verstorbenen Freund Miguel Villasboas aus Montevideo mit seinem Orquesta típica, mit denen wir einige unserer schönsten Auftritte in Montevideo hatten.

Montevideo, allein der verheissungsvolle Name weckt Sehnsüchte nach Ruhe, Abgeschiedenheit, Geborgenheit und Geheimnis beim Klang des Bandoneons. Dort, scheinbar am Ende der Welt, am Ufer des riesigen Rio de La Plata, des Silberflusses.
Der Rio de La Plata vor Montevideo. Foto: E. Haerter

Übrigens, so blau wie auf dem Bild erlebt man den Rio de La Plata nicht sehr oft. Meist zeigt er sich in den Farben wechselnd in einer Mischung aus grau-blau-braun bis manchmal milchkaffee­braun (aufgrund der Sedimente, die er anschwemmt).

Aber hier spielt jetzt Hugo Díaz aus Montevideo auf dem Bandoneon den Tango Fueye, Blasebalg, wie das Bandoneon am Rio de La Plata gern liebevoll genannt wird. Ihn begleitet Ciro Perez auf der Gitarre. Mit Hugo Díaz (https://haerter-tango.info/hugodiaz.pdf) haben wir in Göttingen mehrere wunderbare Veranstaltungen gehabt. Leider ist er unerwartet viel zu früh verstorben.

Es hätte heute so viel über Politik gesagt werden müssen, aber ich habe es nicht fertiggebracht. Es hat mich alles nur angeödet, so dass ich wieder mal Zuflucht an einem meiner Fluchtpunkte suchen musste.

In dem Zusammenhang muss ich noch berichten, dass gestern auf 3Sat die 2. Sinfonie von Robert Schumann gesendet wurde. Schumann steht mir als Mensch und Künstler besonders nahe, und seine 2. in C-Dur ist für mich seit Jahrzehnten ein Schlüsselwerk. Kennengelernt habe ich die Sinfonie in London in der Royal Festival Hall, gespielt vom London Symphony Orchestra unter der Leitung von Georg Solti. Das war eine Aufführung, die mich sofort elektrisiert und begeistert hat. So stimmig habe ich sie danach nie mehr gehört - bis auf gestern. Da spielte das Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, auch ein weltklasse Klangkörper, unter der Leitung von Simon Rattle. Das war ganz grosse Klasse. Auch ein Fluchtpunkt!

Und nochmal zu Fueye: Die Musik komponierte Charlo (Pseud.), den Text schrieb Homero Manzi.

Darin heisst es:

Fueye...
No andés goteando amarguras.
Vamos...
Hay que saber olvidar.

In unserm Manzi-Buch habe ich das so übersetzt:

Blasebalg...
Verbreite jetzt keine Bitterkeit.
Komm...
Man muss vergessen können.

Und damit...

...bis zum nächsten Mal...

Eckart Dez. 2024
Eckart Haerter




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| 11.01.2026, Sonntag |
St. Johannis im Schneetreiben. Foto E. Haerter
Ein Anblick mittlerweile mit Seltenheits­wert, liebe Leserinnen und Leser. Die Johanniskiche im Schneetreiben. Das gab es mehrere Jahre nicht. In diesem Jahr ist nun wieder Winter wie wir, die etwas Älteren, ihn noch von früher kennen. Damals war ein Winter ohne Schnee nicht denkbar. Und bei der ersten Schneedecke eines Winters schrieben Millionen Schulkinder einen Aufsatz zu dem Thema: "Der erste Schnee", etwa so: "Als ich heute Morgen aus dem Fenster guckte, traute ich meinen Augen nicht. Alles in Weiss, selbst die Zaunpfähle hatten weisse Mützchen auf...". Die Älteren werden sich noch an diese seligen Zeiten erinnern.

Das Bild habe ich schon vor etlichen Jahren aufgenommen, aber die Türme der Johanniskirche sehen noch aus wie im 14. Jahrhundert, und die Schnee­flocken sind auch die gleichen wie im Mittelalter. Das muss man nicht in jedem Jahr neu aufnehmen und kann sich getrost aus der Archivkiste bedienen. Beruhigend finde ich, dass es solche Beständigkeit noch gibt.

Was die Beständigkeit Deutschlands angeht, dieser tausend Jahre alten Kulturnation im Herzen Europas, sieht es gar nicht so gut aus. Vielmehr weisen die Zeichen ziemlich deutlich in Richtung allmählicher Verlöschung (um das Wort Untergang zu vermeiden).

Wir Bürger können nichts weiter tun, als unsere täglichen Pflichten zu erfüllen. Zum konkreten Handeln für Deutschlands Zukunft sind die Politiker gewählt worden, und die tun zu wenig, falls sie überhaupt verstanden haben, worum es geht. Manche, insbesondere die Grünen, scheinen sogar das Ende Deutschlands zu wünschen. Nicht anders sind die Ässerungen führender grüner Politiker zu erklären, die geradezu Hass auf die eigene Heimat erkennen lassen.

Natürlich werden unsere Landschaften bestehen bleiben, aber sie werden irgendwann nicht mehr von Deutschen bewohnt sein. Konkretes Handeln für den Bestand des deutschen Volkes wäre eine Bevölkerungspolitik, die eine Bestands­erhaltung gewährleistet, und eine verantwortungsvolle Einwanderung­spolitik. Aber gerade die ist im letzten Jahrzehnt konsequent am Gegenteil orientiert betrieben worden. Das allmähliche Verschwinden der deutschen Ureinwohner scheint ganz bewusst geplant gewesen zu sein.

Natürlich meine ich das nicht "rassisch" oder gar rassistisch, will mich hier aber nicht zu der üblichen, dummen Fangfrage erklären: "Wer ist denn Ihrer Meinung nach Deutscher?"

Wenn die Deutschen irgendwann in berechenbarer Zeit die Minderheit in Deutschland sein werden, ist es nach der aktuell noch geltenden Politik geschafft.

Wie ich gelesen habe, ich weiss nicht mehr wo, sind längst Überlegungen angestellt worden, wie man mit Deutschen umgehen könnte,die den Bevölkerungsaustausch nicht wollen. Indem zum Beispiel auf dem Gebiet der neuen Bundesländer eine Region reserviert wird, für alle, die ein Deutschland der alten Art behalten wollen. So ähnlich wie es das in den USA als Reservate für die Ureinwohner (Indianer) gibt. Nur eben mit vollständiger Autonomie.

Dort könnten dann die alten deutschen Hochkulturen und die wissenschaftlich technischen deutschen Fähigkeiten gepflegt werden und zu neuer Blüte gelangen. Denn geistig minderbemittelt wären die dorthin flüchtenden Menschen ja ganz sicher nicht.

Sicher, so ein Plan klingt zunächst einmal komisch, aber angesichts der langen deutschen Geschichte der Zersplitterung des Reiches, ist das nicht so absurd wie es klingt. Dass Deutschland 1871 zu einem geeinigten Nationalstaat wurde, ist doch noch gar nicht so lange her. Insofern sollte es keine Denk-Tabus geben, wenn es um die Existenz Deutschlands und des deutschen Volkes geht. Das hätte auch nichts mit Abschottung von der übrigen Welt zu tun. Eine gesunde Migrations­politik mit gebildeten, befähigten, kulturell hochstehenden Menschen anderer Völker, die es auch früher schon immer in Deutschland gegeben hat, wäre doch machbar und erwünscht.

Zum Schluss ein Stück deutscher Musikkultur. Die Kreutzersonate für Violine und Klavier von Ludwig van Beethoven. Sie wurde gestern auf 3Sat gesendet, gespielt von Rudolph Buchbinder und dem Geiger Nikolaj Szeps-Znaider (Däne). Es war eine grandiose Aufführung.

Leo Tolstoi macht diese Musik zum Schlüsselwerk in seiner berühmten Erzählung Kreutzersonate : Geschichte einer Ehe. Darin spiegelt diese Musik das wider, was Tolstois Protagonist seiner Frau unterstellt, die Klavier spielt, mit einem professionellen Geiger, einem Bekannten der Familie.

Genial von Tolstoi für die Handlung ausgewählt. Das Auf- und Abschwellen der Leidenschaften im 1. Satz, die darauf folgende erschöpfte Ruhe des 2. Satzes "mit den 'abgeschmackten' Variationen und dem 'ganz schwachen Finale'", wie der krankhaft eifersüchtige Ehemann in der Geschichte findet.

Und wie ich finde, hat diese Beurteilung, die ja eigentlich die von Tolstoi ist, durchaus etwas für sich. Man muss das aber im Gesamtzusammenhang betrachten, dann bekommt es Sinn.

Für alle Fälle habe ich mal die Kreutzersonate aus Youtube verlinkt (in Gänze dauert sie etwa 45 min.). Der 1. Satz lohnt sich. Es spielen Yehudi Menuhin und Wilhelm Kempff. Ganz alte Schule.

Beethoven: Kreutzersonate (Violine und Klavier)
1. Satz
2. Satz, Andante con variazioni
3. Satz, Presto

Und damit...

...bis zum nächsten Mal...

Eckart Dez. 2024
Eckart Haerter




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3. Jahrgang 2026 (Nr. 110)

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| 04.01.2026, Sonntag |
Winter. Foto E. Haerter

Leider ist schon wieder Schluss mit den Feiertagen, liebe Leserinnen und Leser, und es heisst wieder arbeiten. Aber wenn ich aus dem Fenster gucke in den verschneiten Innenhof, dann steht mir der Sinn nach Tee, Keksen und einer warmen Stube.

Ich sehe eine verschneite Winter­landschaft mal ganz gern, aber im allgemeinen sind Kälte, Schneematsch und Glätte überhaupt nicht mein Ding. Aber das ist jetzt nebensächlich, wir müssen uns um Präsident Trumps Coup in Venezuela kümmern und um seinen Plan, den USA Grönland einzugliedern.

Angesichts ihrer Machtlosigkeit werden sich die letzten westlichen Demokratien eine völlig neue Art der Politik einfallen lassen müssen, wenn sie sich nicht völlig lächerlich machen wollen.

Zu bewundern ist Portugal. Die Portugiesen schauen auf den Atlantik und denken über ihre einstige Grösse als Entdeckernation nach. Sie mischen sich aber nicht ständig mit sogenannten Ratschlägen und Sanktionen und ähnlichem Unfug in alle möglichen Konflikte ein, an denen sie sowieso nichts ändern können. Besonders auch dann nicht, wenn die Mächtigen des eigenen Bündnisses, also die angeblich "Guten", es genau so machen wie die gegneri­schen Mächtigen, die angeblich "Bösen".

Auch die arabischen Emirate am Golf sind eine Beobachtung wert. Ausser ihrem Öl hatten sie nichts, und das verliert erheblich an Bedeutung. Trotzdem haben sie es geschafft, florierende Staatswesen mit spektakulären Bauwerken zu unterhalten, während sie sich um die Machtspiele der drei Grossmächte wenig kümmern.

Wenn wir keinen Krieg und keine Einmischung in ausländische Kriegshandlungen wollen, und das muss oberster Grundsatz jeder deutschen Politik sein, dann müssen wir auch einen Modus finden, um völlig souverän und in Würde, Wohlstand und Freiheit in der von uns selbst gewählten Staats- und Gesellschaftsform leben zu können.

Das bedeutet, dass sich Deutschland von keinem anderen Land der Welt mehr abhängig machen darf. Weder ideologisch, noch wirtschaftlich, noch in Fragen der Sicherheit. Die Fähigkeiten, wieder auf die eigenen Füsse zu kommen, hätte Deutschland. Was allerdings noch fehlt, ist der ganz grosse, neue Aufbruch. Die Lust und der Wille, angstfrei mit Schwung und Leidenschaft in eine neue Zukunft zu starten.

Der Beginn eines neuen Jahres wäre doch eigentlich genau der richtige Zeitpunkt, um loszulegen.

In diesem Sinne...

...bis zum nächsten Mal...

Eckart Dez. 2024
Eckart Haerter




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3. Jahrgang 2026 (Nr. 109)

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| 01.01.2026, Donnerstag (Neujahr) |
Johannisstr. Weihnachten

Ein Frohes neues Jahr Euch allen, nah und fern!

Der Weihnachtsmarkt sowie die Strassensperren zur Sicherung drum herum, sind abgebaut, liebe Leserinnen und Leser. Sie betrafen auch unsere Johannisstrasse, aber die Dekorationen hängen noch. Es ist ja auch noch Weihnachtszeit bis zum Heiligen Dreikönigstag am 6. Januar. Aber der Weihnachtsmarkt war deutlich kleiner als gewohnt. Wen wundert's...

Das Jahr 2025 ist nun geschafft, der Übergang hat problemlos geklappt. Wieder ein Jahr abgehakt. Jetzt geht's weiter - wie immer.

Und wenn es so wäre, wär's nicht das schlimmste, denn schlimmer geht immer. Also gehn wir's hoffnungsvoll und zuversichtlich an, denn es kann (und sollte) ja besser werden.

Die Worte des Herrn Bundeskanzlers Merz zum neuen Jahr waren in Ordnung. Ich hatte nicht viel daran auszusetzen. Mehr und deutlichere Worte zur Kriegs­vermeidung hätte ich mir allerdings gewünscht.

Jetzt kommt es nur darauf an, dass die Politik auch handelt und zwar so, dass Deutschland im Zustand des Friedens verbleibt, indem es erstens aus allen ausländischen Kriegshandlungen rausgehalten wird und zweitens, dass die eklatanten Missstände im Lande entschlossen und tatkräftig beseitigt werden.

Deutschland darf es sich nicht länger leisten, noch ein weiteres Jahr in Folge in Richtung 3. Welt abzudriften. Das hat das deutsche Volk nicht verdient. Im Grunde hat der Bundeskanzler all das auch gesagt, aber es darf nicht mehr bei den gut klingenden Worten bleiben.

Als allererste Massnahme muss meiner Meinung nach die öffentlich verkündete Abkehr von einer Politik stehen, die den Krieg als eine mögliche politische Handlungsweise in Betracht zieht.

Wem das wie die Spinnerei eines Idioten vorkommt, dem muss ich sagen: Ein neuer Krieg in Deutschland wäre die weit grössere Idiotie und die Zerstörung der Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder.

Ich weiss, ich wiederhole mich zum soundsovielten Male. Aber solange sich nichts ändert mit der Kriegsrhetorik und der mit unterschwelligem Jubel aus der Wirtschaft begleiteten Aufrüstung, so lange kann ich mich nicht still verhalten. (Zu diesem Thema gibt es einen Anhang unter dem Impressum. Oben im Kopf auf "Impressum(+Anhang)" klicken.)

Der Bundeskanzler hat auch gesagt, dass Deutschland es aus eigener Kraft schaffen muss, wieder auf die Beine zu kommen. Genau meine Meinung! Es muss dann aber eine Politik gemacht werden, die die Menschen wieder mit Freude, mit Zukunftsglauben und mit Lust und Liebe dazu bringt, Kinder in die Welt zu setzen und sich ihres Lebens zu freuen.

Mit einem Volk, das an Altersschwäche dahinsiecht, in einem Land, das immer mehr den Eindruck einer riesigen Seniorenresidenz vermittelt, mit dem kann man keine Zukunft bauen.

Jauchzet, frohlocket (bitte anklicken und den Ton ganz laut stellen!) - so geht der Aufbruch in die Zukunft, und das Lied ist schon bald 300 Jahre alt. Figuren wie Johann Sebastian Bach sind es, die das Ansehen Deutschlands in der Welt bis heute - mit Ewigkeitswert - prägen.

Und zwar nachhaltiger als solche Namen wie Mercedes, BMW, Siemens, Bayer usw., die, so klangvoll sie auch sein mögen, das so nicht schaffen.

Dass das stimmt, erleben wir gerade hautnah mit, indem uns bewusst wird, wie schnell und, gefühlt, wie geradezu plötzlich, wir auf all diesen Gebieten, auf denen wir mal einzigartig zu sein schienen, von China, Korea, Indien und anderen auf die Zuschauer­plätze verwiesen werden.

Weltweit einzigartig ist und bleibt die deutsche Musikkultur, die uns keine Macht der Welt nehmen kann. Sie ist eine ewige Quelle der Kraft.

Zwar ist Ulrike und mir mit dem Tango Argentino eine ausländische Kulturschöpfung (mit deutschem Anteil) zu einem sehr wichtigen Teil unseres Lebensinhalts geworden, aber wir haben dabei nie die Erdung mit der deutschen Musikkultur verloren. Und so wird es auch bleiben.

In diesem Sinne: Frohes Neues Jahr!

Bis zum nächsten Mal...

Eckart Dez. 2024
Eckart Haerter




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