TANGO ARGENTINO
 ULRIKE & ECKART HAERTER

Home

María Nieves
(1934-2026)    
Maria Nieves


Sie waren das legendärste Tango-Tanzpaar des 20. Jahrhunderts: María Nieves und Juan Carlos Copes. Nun ist auch Maria Nieves gestorben. Sie hat ihren jahrzehntelangen Tanzpartner, mit dem sie eine Zeitlang auch verheiratet war, um 5 Jahre überlebt. Mit ihrer Show Tango Argentino haben sie den ganzen Globus bereist und die Menschen begeistert und damit Anfang der 1980er Jahre die weltweite Tango Renaissance ausgelöst.

In Buenos Aires haben Ulrike und ich das Paar mehrmals live auf der Bühne tanzen sehen, und natürlich hat Ulrike Maria Nieves verehrt, und mein (einziges) Vorbild als Tangotänzer war Juan Carlos Copes. Sie verkörperten alles, was den Tango ausmacht und was ihn so unvergleichlich macht: Souveränität und Eleganz, vervollkommnet durch die Pinta, das tangotypische Bild, welches ein Tanzpaar kraft seiner Persönlichkeit und seiner Authentizität vermittelt.

Mit Maria Nieves geht jetzt die letzte Epoche des individuellen Tangos endgültig zu Ende. Was aber bleibt, wie immer im Tango, das sind die Erinnerungen an eine wunderbare Zeit, die für uns persönlich die schönste Zeit unseres Lebens war.

Vor ihrer Show La Pesada del Tango ("Die Schwere des Tangos") im Teatro de la Comedia in Buenos Aires haben wir uns Copes kurz vorgestellt als die gesamte Tanzgruppe (darunter auch der urige Pepito Avellaneda) im Foyer zusammenstand.

Jahre später wollte es die Festivalregie des Cumbre mundial del Tango (des "Weltgipfels des Tangos") in Lissabon, dass wir und die anderen Showtanzpaare nach unserem jeweiligen Soloauftritt im Teatro da Trindade noch einen gemeinsamen Bühnenauftritt mit Maria Nieves tanzen – ihr zu Ehren als Ehrengast.

Im Hotel hatte uns Maria Nieves schon ein paarmal angesprochen, und wir hatten sie, obwohl sie doch seit Jahrzehnten die berühmteste Tangotänzerin der Welt war, als völlig frei von Allüren kennengelernt, herzlich, natürlich und rundum sympathisch. Wir konnten ihr erzählen, dass wir vor Jahren in Buenos Aires ihre Show La Pesada del Tango gesehen haben, was sie erfreute.

Die folgende kleine Begebenheit, die ich schon öfter erzählt habe, erhellt am besten die Persönlichkeit von Maria Nieves. Es war backstage vor unserem Auftritt im Teatro da Trindade zu Lissabon. Ein wunderschönes, Theater aus dem 19. Jahrhundert, wo wir unseren Auftritt im Rahmen des 4. Weltgipfels des Tangos tanzen sollten.

Bekanntlich leiden viele, auch manche sehr prominente Bühnenkünstler vor Auftritten an Lampenfieber. Mir ging es an dem Abend genauso. In dem Zustand setze ich mich dann gern ein bisschen abseits in eine Ecke und "meditiere". Zu allem Überfluss kam an diesem Abend auch noch eine Journalistin von BBC Radio zu mir und interviewte mich – auf Englisch natürlich. So musste ich mich zusammenreissen, um ein blendendes Bild abzugeben. Von Entspannen konnte keine Rede sein.

Nach dem Interview ging ich dann noch ein wenig auf und ab, um mich auf den Auftritt einzustimmen und die Gliedmassen zu lockern. Obwohl alle Künstlerinnen und Künstler dort hinter der Bühne mit sich selbst beschäftigt waren, musste die einfühlsame Maria Nieves meine Nervosität bemerkt haben. Sie kam auf mich zu und klopfte mir ein paar Mal aufmunternd auf die Schulter. Das war von der weltberühmten Tangotänzerin eine so nette, kollegiale und geradezu kumpelhafte Geste, die mich sehr gerührt und tatsächlich auch entspannt hat.

Auf der Bühne hatte dann zunächst jedes Tanzpaar seinen Soloauftritt und danach, so war es abgesprochen, tanzten alle Tanzpaare zusammen auf der Bühne eine flotte Milonga zur Musik des deutschen Tangoorchesters Tango real. Am Schluss bildeten alle Tanzpaare - in der Schlusspose der Milonga verharrend - den lebenden Rahmen für Maria Nieves' Soloauftritt.

Sie tanzte an dem Abend mit einem argentinischen Tangotänzer, der in Madrid lebte und arbeitete. Es wurde ein wunderschöner Abschluss der Show. Das Ritual musste sein, und es hat Spass gemacht, der Queen oder besser der Reina del Tango zu huldigen. Und natürlich war es eine Ehre für uns, bei einer Tango-Show auf einem grossen, internationalen Event, die Bühne mit Maria Nieves zu teilen.

Erinnerungen … Recuerdos …, hier zum Abschluss ein Vals, der gut dazu passt: Die 1. Strophe eines Tango-Walzers mit dem Titel Recuerdo.
Musik und Text von Alfredo Pelaia (1888-1942).

Murió mi compañera idolatrada
la mujer que jamáás olvidaré,
y que tengo en el alma reflejada,
como tiene en su seno la alborada
la estrella del callado amanecer.

[Übers. (von mir)]
Gestorben ist meine über alles geliebte Gefährtin,
die Frau, die ich niemals vergessen werde
und deren Abbild ich in der Seele trage,
wie sie in ihrem Herzen die Morgenröte,
den Stern des stillen Tagesanbruchs.

Und hier der Link zu Youtube:


Eckart Haerter


Home

Top